Texte für die Ewigkeit

Bei der Betrachtung einer Sprache und ihrer Verwendung geht es immer auch um die Zeit, in der sie verwendet wurde. Sprache und die Moral, die dahinter steht, ist abhängig von Moden, Strömungen, Ideen und den Verbrechen einer Generation. Diese Verbrechen können stilistischer Natur sein oder eben das, was man hinter diesem Begriff vermutet.

Der Umgang mit der Sprache offenbart, ob die die sie verwenden, sich einer Verantwortung stellen oder ihr entfliehen. Ob sie diese überhaupt empfinden oder ihnen die Wirkung auch im Hinblick auf die Zukunft egal ist.

Die Lebensdauer eines Textes kann unendlich sein. Aber das natürlich nur, wenn der Bekanntheitsgrad diese Zeitspanne trägt. In den meisten Fällen, bei dir, bei mir und bei Millionen anderer Menschen gibt es große Chancen, dass wir in zwanzig Jahren nicht einmal mehr wissen, dass wir diesen Text geschrieben haben. Geschweige den, dass es irgendjemand anderes weiß.

Aber wer sagt schon, dass es uns nicht so geht, wie vielen anderen Autor*innen und das Internet (oder was immer darauf folgt) spült die Untaten einer ungestümen Jugend wieder hoch. Taten, zu denen wir uns nie freiwillig bekennen würden, weil sie mehr über uns verraten, als uns im Nachhinein lieb ist.

Dieses Gefühl, einen Text, ein ganzes Buch, hinaus in die böse Welt zu schicken, kann unbeschreiblich kribbelnd, aufregend, aber auch verstörend sein. Und es kommt gar nicht so selten vor, das genau diese Frage irgendwann auftaucht: Wie werde ich diesen Text wieder los?

Es gibt die Urfassung, die erste Version, die irgendwo gelandet ist. Die digitale Welt ist eine verteilte Welt. Was auch immer auf einem Stick oder auf einer Cloud ist hat schon ein halbes Dutzend Kopien erzeugt, ohne dass man es weiß. Backups, Archive. Die eigenen, die des Providers, die eine automatisierte Software erzeugt. Und sobald ein File in einem Mail liegt, auf einem anderen Rechner landet, beginnt die Zahl der Kopien unüberschaubar zu werden.

Wie , zum Teufel, wird man Jugendsünden wieder los? Science Fiction-Romane, die physikalischer Nonsens sind. Fantasy-Schinken, die eine Variante eines beliebten Themas sind, Liebesromane, die unecht wirken und Sex enthalten, den man nie erlebt hat, Abenteuergeschichten, die holterdipolter Höhen und Tiefen ohne Schweiß und Tränen überwinden, Superhelden-Storys mit Babes und Muskeln…

Die Liste ist unendlich. Und ein jeder hat ein eine Platte mit Versuchen, Skripte, die eigentlich gelöscht sein sollten, Ideen, die wieder aufgegriffen gehören. Aber macht ihr euch Gedanken darüber, ob ihr in zehn, zwanzig Jahren noch zu dieser Sache stehen könnt, oder sind zehn,zwanzig Jahre eine unvorstellbar lange Zeit und euch sowieso egal? Wählt ihr ein Pseudonym für die Jugendsünden? Haber ihr mehrere Pseudonyme?

Denn was spricht dagegen, dass man für jeden Anlauf einen neuen Namen wählt. Heute sein Glück in einem schlüpfrigen Genre probiert, morgen die dramatische Serie veröffentlicht und übermorgen klitzekleine Kinderbücher schreibt?

Die Frage basiert auf zwei Überlegungen: Sehr ihr euch jetzt in der Verantwortung, mit einem Talent oder einem gelernten Handwerk das Beste zu machen – dann steht ihr euch vielleicht selbst im Weg, oder ergreift ihr jede Chance, haut das Zeug raus, so lange es gekauft, geliebt, gelesen wird und rechnet mit der Vergesslichkeit zwischen ein paar Hunderttausend Veröffentlichungen im Jahr?

Ich gestehe, dass ich zwischen all den Versuchen, die ich gelegentlich ins Netz schmiss, oft unter Pseudonymen und bei den Beteiligungen an Anthologien hin und wieder froh war, dass alles vergessen wird, wenn man es nicht beständig an die Öffentlichkeit zerrt. Im Spuren verwischen bin ich mittlerweile recht gut. Aber wie haltet ihr es damit?

Liebe Grüße

Andreas

Der Aufbruch (Kapitel 1. Seite 1. Version 0.1)

Dan Heinlein war der durchschnittlichste aller Träumer. Kaum dem Kinderwagen entwachsen, wurde ihn schon ein Geschwindigkeitsrausch zuteil, der es ihm erlaubte, den wichtigen Dingen keine Bedeutung mehr bei zu messen.

Sein Onkel schnallte ihn auf den Nebensitz, strahlte ihn an, sprach unverständliche Worte, aber lachte. So lachte Dan zurück.

Und die Scheibenwischer tanzten ein wildes Spiel in all der Flut, die sich über sie ergoß. Der Onkel fuhr mit einem Lächeln auf den Lippen, blinzelte in die Lichter und erfreute sich daran, mit seinem Neffen durch die Nacht zu fahren. Es war in den frühen Morgenstunden. Und Dan sollte kein Einzelkind mehr bleiben. 

Martha Landbilt lag mit Wehen in einem viel zu großen Krankenhaus in New York. Die Verwandten macht sich auf zu ihr zu eilen. Eine Telefonkette hatte fast alle erreicht. Es war ein Lachen und eine Aufregung. Auch ihr Mann, Adam Green, saß schon in einem Taxi, und sah die dunkle Silhouette, dieses Lichtermeer der Großstadt auf sich zukommen. Er war der Vater, und wußte seinen Sohn in guten Händen. Im Flughafen hatte er einen Strauß gefunden, der auf der Rückbank neben ihm lag. Er sah kurz darauf, versank zurück ins Polster. Auf dem Armaturenbrett stand die kleine Statue eines indischen Heiligen, der mit dem Kopf wackelte, wenn sie über die Unebenheiten fuhren. Zum Geruch des Meeres mischte sich der Duft der Stadt. Sie kam näher.

Alle wollten sie dabei sein. Deswegen hatte Claus Landbilt, den kleinen Dan aus dem Bettchen gehoben, ihn frisch gewickelt, in das Superman T-Shirt gesteckt und auf dem Beifahrersitz festgezurrt. Sie hatten gestern alle viel gefeiert, das Feuerwerk angesehen, und gehofft, dass Martha ihre Tochter noch am 4 Juli bekommt. War nicht der Fall. Es klappte nie etwas. Selbst wenn fest daran geglaubt wurde. Claus steuerte das Auto wie ein Schiff durch die Fluten. Die ersten Pendler schossen an ihm vorbei, versuchten aus den Rändern der Stadt ihr Zentrum zu erreichen . Lange bevor die Straßen sich verstopften.

„Du wirst ein Schwesterchen bekommen.“ Frohlockte Claus, und seine Stimme klang wie immer viel zu hoch. Er spürte noch etwas von dem Bier des gestrigen Abends, aber es hob seine Stimmung, und er mochte seinen Neffen, strahlte ihn an, wie der Mond, der noch über dem Fluss hing und die Stadt beschien. Viele hatten sich noch frei genommen, um den Morgen mit der Familie zu verbringen. Auch Claus, immer noch ohne Familie, und schon in den späten Zwanzigern, wollte heute nicht zur Arbeit gehen. Er hatte alle Termine gestrichen, seine wichtigsten Nachrichten bereits verschickt und hoffte auf einen Tag, an dem ihn mal keiner zurück rief.

„Wir sollten sie Martha nennen, wie deine Mutter.“

Dan gluckste, spuckte etwas aus und verfolgte mit dem Finger die Scheibenwischer.

„Sie war ein schönes, aber auch wildes Kind. Keiner konnte Martha bändigen. Sie tat einfach was sie wollte. Sie tut es immer noch. Armer Adam. Du wirst bestimmt wie sie. Obwohl da sicherlich nicht gut ist, oder, wenn ein Junge wie du, wie seine Mutter wird. Aber du hast viel von uns Landbilts, Kleiner. Viel. Du bist einer von uns. Du bist mehr wie ich Ich sehe das.“

Die Scheibenwischer eilten hin und her, die Flut des Regens nahm zu, und überdeckte in einem beständigen Film die Frontscheibe. Die Lichter zersprangen, setzten sich zusammen, eilten voraus, die Scheibenwischer ächzten und Dan lachte über das Farbenspiel.

Claus kannte den Weg. Er hatte Martha schon häufiger zu den Untersuchungen gefahren. Natürlich war es kein staatliches Krankenhaus. Sein Vater hatte alles geregelt. Im Hause Landbilt werden die Dinge geregelt, dachte Claus. Sie passieren nicht, sie werden geregelt. Alter Grundsatz. 

Er wechselte die Spur, fädelte sich ein. Blinkte wieder. Bog nach rechts ab. Wirbelte ein bißchen zu stark, merkte das ein Rad durchdrehte, verstand nicht so ganz, fing den Wagen wieder und lachte erschrocken.

Dan lachte auch. 

Sie fuhren durch die  Nacht. New York glänzte, als wäre es gerade neu geschaffen worden. Wie eine Spielzeugstadt aus Plastik.

Achtung, Spoiler!

Liebe Lesenden,

klären wir das mal: Wie wollt ihr angesprochen werden? Schreibt mir einfach, welche Variante, die ich bis jetzt genutzt habe, Euch am besten entspricht oder anspricht.

Was nun kommt, das ist quasi der total Spoileralarm, aber klärt euch auch auf, wie die ersten Ideen geformt wurden.

  1. Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass SF und Fantasy nicht nur in Amerika beheimatet sein sollten. Nein, ich gehe davon aus, dass man am Besten über das schreib, was in der persönlichen Nähe liegt. Am Besten man nutzt Locations, die man kennt. Die sich normal anfühlen, und erst in ihrer Verfremdung dann eine Wirkung entfalten, die realistisch erscheint. Also, ich denke, Fantasy ist hier in Heidelberg fantastisch angesiedelt. Aber ich schreibe ja gar keinen Fantasy. Also weiter.
  2. Was ist ein Werwolf? Ein Mutant, ein Mensch mit einer übernatürlichen Behaarung, einer Krankheit oder ist es ein Tier, das erstaunlicherweise auf zwei Beinen läuft, obwohl es vier Beine nutzen sollte? ist ein Werwolf frei, leidend, intelligent, möglich, realistisch oder gar durch Medikamenteneinfluss zu erzeugen? Ist ein Werwolf ausgestossen, liebenswert, eine sexuelle Variante in einem animalischen Horrorgeschehen? Funktioniert Horror am Besten, wenn der Bestrafungscharakter vordringlich ist?
  3. Wenn etwas unglaubliches heute passieren muss, wie lange muss dieses vorbereitet werden? Wenn man lange genug sucht, wird man feststellen, dass die Möglichkeiten sich einen bemannten Raumflug vor zustellen, schon jahrhundertealt ist. Man wird überall Spuren entdecken, die darauf hindeuten, dass Menschen davon geträumt hat. Die Fäden, die sich daraus spinnen lassen, laufen bis in die Heimatstadt. Wer sich mit Verschwörungstheorien auskennt, der weiß, dass eine Beweisführung nicht immer ein offenes Ergebnis braucht. Es geht auch anders: Ich habe ein Ergebnis und brauche den Beweis dafür. Das mag wissenschaftlich nicht korrekt sein – ein Thriller lässt sich allemal daraus bauen.
  4. Nehmen wir also an: Es gab sehr frühzeitig Pläne, Geldgeber und einen Zirkel Menschen, der daran glaubte, dass Nationalstaaten mit dem zweiten Weltkrieg hätten ausgerottet gehört. Und diese Menschen arbeiteten an die einzige wahre Macht, die diese Welt scheinbar zusammenhält: An Geld. Sie investieren dieses Geld in die Pläne der frühen Raketenforscher, die ihre Unterlagen während der beiden Weltkriege in tiefe Bunker unter den Bergen des Odenwaldes versteckt hatten. Wir erinnern uns: Die alten Villen, die am Neckarufer gegenüber vom Heidelberger Schloss liegen, haben in alte Gemäuer gefasste Eingänge, mittlerweile Tiefgaragen, gleichzeitig finden sich Brunnen, Quellen und versperrte Tore der Wasserwirtschaft in den Bergen am Rande des Odenwaldes, so dass der Eindruck eines ausgeprägten Höhlensystems entsteht, dass sich hier ,gegenüber der Heidelberger Altstadt, befindet. Die Alliierten hatten dieses Kleinod am Neckar weitgehend verschont und im Nachhinein zu einem ihrer Stützpunkte gemacht. Möchte man also eine Legend nähren, so gebe es, auch angesichts der vielen Burgen, die das Flusstal säumen, Stoff genug, der es erlaubt, hier Schätze, Geheimlabore, Raketenbasen und verrückte Wissenschaftler anzusiedeln. Geheimagenten, Illuminaten und ähnliche Konstrukte. Nichts davon ist wahr, aber eine Beweisführung liesse sich relativ einfach basteln.

Ich verbrachte einige Tage mit einem Blatt Papier, Wikipedia, Kreisen und einem groben Mindmapping, bis ich ein Setting zusammen hatte, dass es mir erlaubte Raumschiffe im frühen und späten Nebel des Tales zu starten.

Ganz so einfach machte ich es dann doch nicht, aber wartet einfach ab.

Liebe Grüße

Andreas

Wie diese Seite entstand

Liebe Lesenden,

es war keine spontane Idee, aber eine schnelle Umsetzung. Auf „notsourban.com“ sammelt sich seit einiger Zeit alles, was mir einfällt. Allein das Konzept einer bunten Mischung, als wäre es eine Wundertüte, scheint mir auf Dauer nicht tragfähig.

So finden sich dort meine Podcasts, eine Sammlung unausgegorener Kurzgeschichten und vieles mehr (Bilder, Kolumnen, Meinungen und sehr viel übers Radfahren). In den nächsten Wochen und Monaten wird sich das ändern.

Literatur, oder was man im weitesten Sinne so nennen kann, wird sich zukünftig eher hier finden. Allerdings bei weitem nicht so weit verzweigt und unbändig, wie das bisher der Fall war. Im Blog, in dem ihr Euch gerade befindet, geht es in der ersten Linie um den Schreibprozess. Hier wird alles über den „Aufbruch“ stehen, was zur Entstehung dazu zählt.

Skizzen, Überlegungen, was dabei eingesetzt wurde, wie bearbeitet wird, wie die Ideen entstehen und vieles mehr.

Diese Webseite, auf der Subdomain „aufbruch.notsourban.com“ entstand an einem sonnigen Spätsommerabend, am Rande des Neckars, auf einer Bank in Schwabenheim. In der Umgebung diskutierten ältere Menschen über die Corona-Maßnahmen, Stand-Up-Paddler bliesen ihre Boards auf und MTB tobten sich auf den Wirtschaftswegen auf. Ich war nicht wirklich konzentriert, etwas textunsicher (wie spreche ich euch an?) und schrieb die ersten Einträge.

Mit einem Auge auf den schon vorhandenen Anfang des Romans, beschloss ich, ihn nicht einfach einfliessen zu lassen, sondern ihn fortlaufend zu überarbeiten. Unentschlossen war ich auch bei der Länge der einzelnen Beiträge. Zuerst neigte ich dazu, möglichst viel in kurzer Zeit zu präsentieren, also große Blöcke zu veröffentlich.

Nach kurzer Überlegung läuft es nun doch ein wenig anders. Die einzelnen Teile werden kürzer als das mögliche Schreibpensum sein. Ist im Grunde der Qualität geschuldet. Wenn ich das überarbeiten will (und das neben dem Brotjob, den es gibt) , dann sollte die Menge gering, aber die Kontinuität fortlaufend sein. Also – lieber kurze Beiträge, dafür regelmäßig. Ihr dürft aber gerne sagen, wie ihr es lieber hättet. Lasst uns ruhig darüber diskutieren.

Liebe Grüße

Andreas

Der Aufbruch ist ein Roman …(kein Blog!)

Liebe Lesenden,

ich muss es erklären. Der Aufbruch ist ein kleines Projekt, dass ich eine Zeitlang vor mich hingeschrieben habe, dann intensiviert es sich, um schließlich vergessen zu werden.

Um es nicht zu einem Projekt werden zu lassen, dass weiterhin in der Schublade anschwillt, um wieder vergessen zu werden, umgehe ich alles und schreibe es hier auf die Seite. Mehr wird nicht passieren. Ein Roman, der sich entwickeln wird, und in einer Welt spielt, die direkt vor Deiner und meiner Haustüre liegt. Aber trotzdem ein Science Fiction ist.

Ein großer Teil dieses Buches wird im Wald spielen. Vor allem in der Umgebung von Heidelberg, oberhalb des Philosophenweges, aber mehr als alles in dem Waldgebiet, dass sich auf beiden Seiten des Neckartals erstreckt.

Es werden einige physikalische Unverschämtheiten geschildert, vieles was unmöglich ist und dummerweise geht es auch noch um Fabelwesen. Fantasy möchte ich es nicht nennen, weil ich mich in diesem Genre sowieso nicht auskenne. Daher ist es wahrscheinlich ein Science Fiction. Mit wenig Science und viel Fiction.

Mir werden einige Fehler passieren, und nicht wenig werde ich korrigieren. Die Seiten sind nicht statisch. Sie dürfen kritisiert werden. Man darf mir immer sagen, was gut und was schlecht ist.

Nebenher werde ich in diesem Blog etwas über dieses Projekt erzählen. Wenn ihr Wünsche oder Fragen habt, dann meldet euch in den Kommentarfeldern. Schreibt mir auch an andreas.allgeyer@aufbruch.notsourban.com .

Vielen Dank und viel Spaß!

Andreas