Kochrezept für spannende Geschichten

Liebe Leser*innen,

eine der Themen, mit den sich wahrscheinlich jede Autor*in beschäftigt, ist die Frage, was von Seiten der Lesenden eigentlich erwartet wird. Das unbekannte Wesen sitzt direkt vor den gedruckten Seiten und offenbart keine Wünsche. Dabei wissen wir selbst, was uns fesselt. Spannung und Spielraum. Die Spannung muss sich sehr schnelle aufbauen. Es muss sehr bald Fragen geben, die unbeantwortet sind.

Gleichzeitig benötigt es eine Handlung, die sich steigert und verdichtet. Wenn ich die Unterhaltungsliteratur anschaue, aber auch Filme, dann ist der Einstieg heute sehr frontal, gehetzt und erfolgt mit einem großen Knall in den ersten Sekunden. Als gäbe es keine Zeit mehr, die Figuren und Protagonist*innen vorzustellen. Es passiert viel, oft mehr als sich im Rest der Geschichte abspielt, und erst danach folgen Erklärungen. Manchmal wird die Zeit nochmal zurückgedreht. Im Grunde ein übler Trick, den darin offenbart sich eine Schwäche, die die lineare Erzählweise verbietet und vor allem traut man sich anscheinend nicht, die Geschichte leise und ruhig zu beginnen. Damit dann die Spannung zu steigern. Denn auch das gab es mal. Die Geschichte, die eine beeindruckende Gewöhnlichkeit mit ausufernder Langeweile präsentierte, nur um dann das Grauen schleichend einzuführen bis es in einer Eskalation zerplatzte.

Es gibt also kein wirkliches Kochrezept für spannende Geschichten, aber es gibt eine Empfehlung das Handwerk so gut zu lernen, dass es möglich ist, zu variieren. Wer großen Autoren folgt, wird erkennen, dass sie zumeist ein Schema entwickeln, dass es ihnen erlaubt, jedes Thema in einer ähnlichen Verfahrensweise anzugehen. Das ist erlernbar. Aber wie viel beeindruckender ist es, dieses Schema immer mal wieder in Frage zu stellen und es auch mal in der anderen Weise zu probieren.

Sollte ich hier jemals ein solches Kochrezept schreiben, so würde ich bitten, dass ihr mich Lügen straft und beweist, wie unnötig es ist.

Merci.

Andreas