Kochrezept für spannende Geschichten

Liebe Leser*innen,

eine der Themen, mit den sich wahrscheinlich jede Autor*in beschäftigt, ist die Frage, was von Seiten der Lesenden eigentlich erwartet wird. Das unbekannte Wesen sitzt direkt vor den gedruckten Seiten und offenbart keine Wünsche. Dabei wissen wir selbst, was uns fesselt. Spannung und Spielraum. Die Spannung muss sich sehr schnelle aufbauen. Es muss sehr bald Fragen geben, die unbeantwortet sind.

Gleichzeitig benötigt es eine Handlung, die sich steigert und verdichtet. Wenn ich die Unterhaltungsliteratur anschaue, aber auch Filme, dann ist der Einstieg heute sehr frontal, gehetzt und erfolgt mit einem großen Knall in den ersten Sekunden. Als gäbe es keine Zeit mehr, die Figuren und Protagonist*innen vorzustellen. Es passiert viel, oft mehr als sich im Rest der Geschichte abspielt, und erst danach folgen Erklärungen. Manchmal wird die Zeit nochmal zurückgedreht. Im Grunde ein übler Trick, den darin offenbart sich eine Schwäche, die die lineare Erzählweise verbietet und vor allem traut man sich anscheinend nicht, die Geschichte leise und ruhig zu beginnen. Damit dann die Spannung zu steigern. Denn auch das gab es mal. Die Geschichte, die eine beeindruckende Gewöhnlichkeit mit ausufernder Langeweile präsentierte, nur um dann das Grauen schleichend einzuführen bis es in einer Eskalation zerplatzte.

Es gibt also kein wirkliches Kochrezept für spannende Geschichten, aber es gibt eine Empfehlung das Handwerk so gut zu lernen, dass es möglich ist, zu variieren. Wer großen Autoren folgt, wird erkennen, dass sie zumeist ein Schema entwickeln, dass es ihnen erlaubt, jedes Thema in einer ähnlichen Verfahrensweise anzugehen. Das ist erlernbar. Aber wie viel beeindruckender ist es, dieses Schema immer mal wieder in Frage zu stellen und es auch mal in der anderen Weise zu probieren.

Sollte ich hier jemals ein solches Kochrezept schreiben, so würde ich bitten, dass ihr mich Lügen straft und beweist, wie unnötig es ist.

Merci.

Andreas

Der Aufbruch (Kapitel 1. Seite 1. Version 0.1)

Dan Heinlein war der durchschnittlichste aller Träumer. Kaum dem Kinderwagen entwachsen, wurde ihn schon ein Geschwindigkeitsrausch zuteil, der es ihm erlaubte, den wichtigen Dingen keine Bedeutung mehr bei zu messen.

Sein Onkel schnallte ihn auf den Nebensitz, strahlte ihn an, sprach unverständliche Worte, aber lachte. So lachte Dan zurück.

Und die Scheibenwischer tanzten ein wildes Spiel in all der Flut, die sich über sie ergoß. Der Onkel fuhr mit einem Lächeln auf den Lippen, blinzelte in die Lichter und erfreute sich daran, mit seinem Neffen durch die Nacht zu fahren. Es war in den frühen Morgenstunden. Und Dan sollte kein Einzelkind mehr bleiben. 

Martha Landbilt lag mit Wehen in einem viel zu großen Krankenhaus in New York. Die Verwandten macht sich auf zu ihr zu eilen. Eine Telefonkette hatte fast alle erreicht. Es war ein Lachen und eine Aufregung. Auch ihr Mann, Adam Green, saß schon in einem Taxi, und sah die dunkle Silhouette, dieses Lichtermeer der Großstadt auf sich zukommen. Er war der Vater, und wußte seinen Sohn in guten Händen. Im Flughafen hatte er einen Strauß gefunden, der auf der Rückbank neben ihm lag. Er sah kurz darauf, versank zurück ins Polster. Auf dem Armaturenbrett stand die kleine Statue eines indischen Heiligen, der mit dem Kopf wackelte, wenn sie über die Unebenheiten fuhren. Zum Geruch des Meeres mischte sich der Duft der Stadt. Sie kam näher.

Alle wollten sie dabei sein. Deswegen hatte Claus Landbilt, den kleinen Dan aus dem Bettchen gehoben, ihn frisch gewickelt, in das Superman T-Shirt gesteckt und auf dem Beifahrersitz festgezurrt. Sie hatten gestern alle viel gefeiert, das Feuerwerk angesehen, und gehofft, dass Martha ihre Tochter noch am 4 Juli bekommt. War nicht der Fall. Es klappte nie etwas. Selbst wenn fest daran geglaubt wurde. Claus steuerte das Auto wie ein Schiff durch die Fluten. Die ersten Pendler schossen an ihm vorbei, versuchten aus den Rändern der Stadt ihr Zentrum zu erreichen . Lange bevor die Straßen sich verstopften.

„Du wirst ein Schwesterchen bekommen.“ Frohlockte Claus, und seine Stimme klang wie immer viel zu hoch. Er spürte noch etwas von dem Bier des gestrigen Abends, aber es hob seine Stimmung, und er mochte seinen Neffen, strahlte ihn an, wie der Mond, der noch über dem Fluss hing und die Stadt beschien. Viele hatten sich noch frei genommen, um den Morgen mit der Familie zu verbringen. Auch Claus, immer noch ohne Familie, und schon in den späten Zwanzigern, wollte heute nicht zur Arbeit gehen. Er hatte alle Termine gestrichen, seine wichtigsten Nachrichten bereits verschickt und hoffte auf einen Tag, an dem ihn mal keiner zurück rief.

„Wir sollten sie Martha nennen, wie deine Mutter.“

Dan gluckste, spuckte etwas aus und verfolgte mit dem Finger die Scheibenwischer.

„Sie war ein schönes, aber auch wildes Kind. Keiner konnte Martha bändigen. Sie tat einfach was sie wollte. Sie tut es immer noch. Armer Adam. Du wirst bestimmt wie sie. Obwohl da sicherlich nicht gut ist, oder, wenn ein Junge wie du, wie seine Mutter wird. Aber du hast viel von uns Landbilts, Kleiner. Viel. Du bist einer von uns. Du bist mehr wie ich Ich sehe das.“

Die Scheibenwischer eilten hin und her, die Flut des Regens nahm zu, und überdeckte in einem beständigen Film die Frontscheibe. Die Lichter zersprangen, setzten sich zusammen, eilten voraus, die Scheibenwischer ächzten und Dan lachte über das Farbenspiel.

Claus kannte den Weg. Er hatte Martha schon häufiger zu den Untersuchungen gefahren. Natürlich war es kein staatliches Krankenhaus. Sein Vater hatte alles geregelt. Im Hause Landbilt werden die Dinge geregelt, dachte Claus. Sie passieren nicht, sie werden geregelt. Alter Grundsatz. 

Er wechselte die Spur, fädelte sich ein. Blinkte wieder. Bog nach rechts ab. Wirbelte ein bißchen zu stark, merkte das ein Rad durchdrehte, verstand nicht so ganz, fing den Wagen wieder und lachte erschrocken.

Dan lachte auch. 

Sie fuhren durch die  Nacht. New York glänzte, als wäre es gerade neu geschaffen worden. Wie eine Spielzeugstadt aus Plastik.

Vorlesen? Aufbruch als Audiobook?

Liebe Lesenden,

Bevor ich richtig starte, möchte ich noch eine Frage an Euch stellen: Hätte jemand Interesse daran, die Inhalte der ersten Kapitel als Audiobook zu hören?

Ich frage, weil ich dazu neige, meine Texte in der Regel sowieso laut vor zu lesen, denn nur so fällt mir auf, an was es mangelt, wo ich noch etwas verbessern kann, wie es sich einfach anhört. Dabei kürze ich die Texte häufig, nehme Füllwörter raus, und versuche Stolperfallen zu tilgen.

Ich bin grundsätzlich nicht der beste Vorleser. Aber ich habe das Equipment, und von daher wäre es kein Problem. Es wäre schnell erstellt und wir könnten sehen, ob es euch gefällt und wo wir landen.

Hat jemand daran Interesse?

Merci für jede Meinung dazu.

Liebe Grüße

Andreas

Der Aufbruch ist ein Roman …(kein Blog!)

Liebe Lesenden,

ich muss es erklären. Der Aufbruch ist ein kleines Projekt, dass ich eine Zeitlang vor mich hingeschrieben habe, dann intensiviert es sich, um schließlich vergessen zu werden.

Um es nicht zu einem Projekt werden zu lassen, dass weiterhin in der Schublade anschwillt, um wieder vergessen zu werden, umgehe ich alles und schreibe es hier auf die Seite. Mehr wird nicht passieren. Ein Roman, der sich entwickeln wird, und in einer Welt spielt, die direkt vor Deiner und meiner Haustüre liegt. Aber trotzdem ein Science Fiction ist.

Ein großer Teil dieses Buches wird im Wald spielen. Vor allem in der Umgebung von Heidelberg, oberhalb des Philosophenweges, aber mehr als alles in dem Waldgebiet, dass sich auf beiden Seiten des Neckartals erstreckt.

Es werden einige physikalische Unverschämtheiten geschildert, vieles was unmöglich ist und dummerweise geht es auch noch um Fabelwesen. Fantasy möchte ich es nicht nennen, weil ich mich in diesem Genre sowieso nicht auskenne. Daher ist es wahrscheinlich ein Science Fiction. Mit wenig Science und viel Fiction.

Mir werden einige Fehler passieren, und nicht wenig werde ich korrigieren. Die Seiten sind nicht statisch. Sie dürfen kritisiert werden. Man darf mir immer sagen, was gut und was schlecht ist.

Nebenher werde ich in diesem Blog etwas über dieses Projekt erzählen. Wenn ihr Wünsche oder Fragen habt, dann meldet euch in den Kommentarfeldern. Schreibt mir auch an andreas.allgeyer@aufbruch.notsourban.com .

Vielen Dank und viel Spaß!

Andreas